Drei Länder, ein Ateliertisch: Protokoll einer Kulturregion im Werden
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Wer mit Kulturschaffenden im Dreiländereck spricht, hört zunächst zwei Geschichten. Die erste ist die der Erfolgsmomente: gemeinsame Ausstellungen, Theaterprojekte, Festivals, die scheinbar mühelos über die Grenzen hinweg funktionieren. Die zweite ist die der Reibung: Förderanträge, die in drei Verwaltungen laufen, Gagen, die in drei Währungen kalkuliert werden, Publika, die den Rhein nur selten überqueren.
Warum die Nähe trügt
Auf der Karte liegen Basel, Saint-Louis und Lörrach wenige Kilometer auseinander. In der Wahrnehmung der Beteiligten sind es oft Welten. Eine in Freiburg ausgebildete Regisseurin, die heute in Mulhouse arbeitet, beschreibt es so: „Ich brauche zwei Kalender, zwei Steuersysteme und drei Geduldsvorräte. Die Arbeit selbst ist einfach – die Rahmenbedingungen sind es nicht.«
Die institutionelle Landschaft verstärkt diese Zäsur. Kulturförderung ist in Deutschland Ländersache, in Frankreich zentral organisiert, in der Schweiz kantonal geregelt. Ein trinationales Projekt muss sich somit an drei Logiken gleichzeitig ausrichten – mit unterschiedlichen Antragsfristen, Abrechnungsmodalitäten und Erwartungen an das Publikum.
Was gelingt: Beispiele aus der Praxis
Trotzdem entstehen immer wieder Projekte, die diese Hürden übertreten. Ein Chor aus der Region probt abwechselnd in drei Gemeinden und hat inzwischen ein Repertoire, das Deutsch, Französisch und Schweizerdeutsch umfasst. Eine Ateliergemeinschaft in einem Grenzbahnhofgebäude vergibt Arbeitsplätze bewusst paritätisch an Kunstschaffende aus allen drei Ländern – die Miete wird über einen gemeinnützigen Träger mit Sitz in der Schweiz abgerechnet, was den administrative Aufwand spürbar senkt.
Gemeinsam ist diesen Initiativen ein Muster: Sie sind klein genug, um flexibel zu bleiben, und sie institutionalisieren nur so viel wie nötig. „Wir haben gelernt, die Bürokratie zu minimieren, nicht zu bekämpfen«, sagt ein Initiator.
Was Institutionen tun können
Aus unseren Gesprächen lassen sich drei Handlungsfelder ableiten. Erstens: gemeinsame Anlaufstellen. Kunstschaffende wünschen sich eine zentrale Beratungsstelle, die über Fördermöglichkeiten in allen drei Ländern informiert und bei Anträgen begleitet. Zweitens: flexible Förderinstrumente. Kleinere, schnell bewilligte Zuschüsse für trinationale Kooperationen wären wirksamer als große Programme mit zweijährigen Vorlaufzeiten. Drittens: Publikumsarbeit über die Grenze hinweg – etwa gemeinsame Ticketmodelle im öffentlichen Verkehr, die einen Kulturabend in der Nachbarstadt so selbstverständlich machen wie einen Spaziergang.
Ein Blick nach vorn
Die Trias-Region verfügt über ein kulturelles Potenzial, das vielen Metropolregionen fehlt: drei Sprachräume, drei Traditionen, ein dichtes Netz an Bühnen, Galerien und Festivals auf engstem Raum. Was fehlt, sind nicht Ideen, sondern Strukturen, die Zusammenarbeit zum Normalfall machen. Wenn es gelingt, die Verwaltungssprachen der Kultur anzugleichen, könnte das Dreiländereck zum Modellfall werden – für Europa, nicht nur für die Region.