Der volle Kalender und die leeren Stühle der Verwaltung: Ein Plädoyer für die Mitgliedschaft
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Man muss nur einen Blick in die lokalen Veranstaltungskalender werfen, um zu erkennen: Es mangelt im Dreiländereck nicht an Kultur. Lesungen, Konzerte, Vernissagen, Festivals – das Angebot ist so dicht wie selten zuvor. Und doch melden viele Vereine dasselbe Phänomen: Die Säle füllen sich, die Vorstandssitze nicht. Wer sich im Vorstand engagiert, ist häufig über fünfzig – Nachwuchs meldet sich kaum.
Die Logik der Veranstaltung
Reine Eventreihen haben einen unschlagbaren Vorteil: Sie funktionieren. Ein gutes Programm zieht ein Publikum an, das Publikum zahlt Eintritt, der Abend geht zu Ende. Diese Logik ist ökonomisch nachvollziehbar und künstlerisch legitim. Doch sie hat eine strukturelle Schwäche: Sie erzeugt Zuschauer, keine Träger. Wer nur konsumiert, fühlt sich nie verantwortlich. Der Verein wird zur Veranstaltungsfirma ohne Belegschaft – und ist dementsprechend verwundbar, sobald die zwei oder drei Personen aussteigen, die alles am Laufen halten.
Warum Mitgliedschaft nicht aus der Mode kommen darf
Die Mitgliedschaft ist ein demokratisches Instrument, das in der Eventlogik keinen Platz hat. Sie bedeutet, dass Menschen nicht nur ein Angebot nutzen, sondern eine Idee mittragen – mit Jahresbeitrag, mit Stimme, mit Arbeitsstunden. Genau diese Bindung lässt sich nicht über den Ticketverkauf erzeugen, sondern nur über Beteiligung.
Es gibt ermutigende Gegenbeispiele in der Region: Werkstätten, die regelmäßig öffnen und Interessierte zum Mitmachen einladen; Nachbarschaftsfestivals, bei denen Anwohner selbst Programme gestalten; Vereine, die ihre Jahreshauptversammlung mit einem offenen Workshop verbinden. In allen Fällen gilt: Wer einmal mitgeholfen hat, kommt wieder – und irgendwann übernimmt Verantwortung.
Drei Vorschläge
Erstens: Weniger Programme, mehr Türen. Statt jedes Wochenende ein Event zu veranstalten, könnten Vereine feste offene Zeiten einrichten – eine Werkstatt, ein Atelier, ein Probenraum, der auch Nichtmitgliedern zugänglich ist. Zweitens: Niedrigschwellige Mitmachformate. Wer eine Mitgliedschaft mit einem konkreten, zeitlich begrenzten Beitrag verknüpft – eine Kasse schieben, einen Abend betreuen – senkt die Hemmschwelle erheblich. Drittens: Community-Festivals, bei denen das Publikum zum Mitgestalter wird. Sie binden Menschen stärker als jede Karte im Vorverkauf.
Ein Appell an die Vereine
Die Krise der Mitgliedschaft ist keine Schicksalsfrage, sondern eine Frage des Formats. Vereine, die sich ausschließlich als Veranstalter verstehen, werden sich irgendwann selbst überflüssig machen. Vereine hingegen, die Räume der Beteiligung schaffen, investieren in das, was keine Bühne ersetzen kann: Zugehörigkeit. Das Dreiländereck hat eine lange Tradition des Vereinslebens über Grenzen hinweg. Es wäre schade, wenn ausgerechnet die Bequemlichkeit des fertigen Programms diese Tradition aushöhlen würde.